Kategorien

Uhrzeit

Zunächst einmal wurde ich morgens um 05.00 Uhr unsanft durch stetige Kratzgeräusche aus dem Schlaf gerissen. Als ich aufstand, schmerzten nicht nur meine Beine, sondern auch mein Rücken. Eins stand für mich zu dem Zeitpunkt fest: Für meinen Rücken war es definitiv besser, nach Hause zurückzukehren, denn mit jeder weiteren Nacht in den weichen Hotelbetten würde mein Rücken immer mehr meckern. Ich zog die Gardinen zur Seite und sah, daß es in der Nacht wohl heftig geschneit hatte, denn die Straßen waren weiß – zumindest die Nebenstraße am Hotel, denn der Queens Boulevard war so, wie man jede große Straße während oder nach Schneefall vermutet: mit nassem Schneematsch bedeckt, also so, wie man den Winter nicht haben möchte. Es sanken weiterhin leise die Schneeflocken in Richtung Boden und da es noch zu früh war, um aufzubleiben, verkroch ich mich wieder unter meiner Decke, die mir allerdings immer noch nicht sehr viel Wärme spendete.

Als ich dann wenige Minuten später doch endgültig aufgestanden war, machte ich mir Gedanken, wie ich die Zeit zwischen Räumung des Hotelzimmers um 11.00 Uhr und Abflug um 21.00 Uhr wohl überbrücken könnte. Okay, einchecken muß man vorher und zum Flughafen fahren auch. Vor vier Tagen begann das Einchecken 2,5 Stunden vor dem planmäßigen Abflug, was hieße, daß man um 18.30 Uhr Ortszeit einchecken könnte. Wenn ich dann noch eine Fahrtzeit von knapp 30 Minuten dazurechne und ein wenig Karenz inkl. Zeit für’s Umsteigen addiere, würde das bedeuten, daß ich um 17.30 Uhr oder vielleicht sogar um 17.00 Uhr losfahren sollte. Dann blieben allerdings immer noch sechs Stunden Zeit. Wie sollte man diese Zeit füllen? Aufgrund schmerzender Füße und der Tatsache, daß ich im Flugzeug eh nicht gut schlafen kann, sollte ich vielleicht hier in der Lobby des Hotels warten, aber gleich sechs Stunden? Zum Flughafen fahren würde mich auch nicht weiterbringen, außerdem erinnerte mich das zu sehr an Tom Hanks in „Terminal“. Also packte ich erstmal meine neu gekaufte Tasche, sprang unter die Dusche und rechnete im Anschluß erst einmal zusammen, was ich bislang ausgegeben hatte. Davon wollte ich dann abhängig machen, ob ich eventuell doch noch einmal nach Manhattan fahren und etwas shoppen gehen sollte. Sechs Stunden Zeit!

Ich ging nach meiner finanziellen Zusammenstellung erst einmal zur Rezeption und fragte nach, ob ich mein Gepäck dort deponieren könnte, weil ich ja bereits um 11.00 Uhr das Zimmer verlassen müßte. Mir wurde mitgeteilt, daß das kein Problem darstelle. Somit konnte dann also die Planung der verbleibenden Zeit während des Frühstücks in Angriff genommen werden. Ich wollte zunächst an Grand Central aussteigen, um das Waldorf-Astoria anzusehen. Dann entschied ich mich aber für den Times Square, weil ich damit liebäugelte, ins Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud zu gehen, aber 35,50 Dollar erschienen mir dann doch ein wenig zu viel, so daß ich von dieser Unternehmung wieder Abstand nahm. Vielleicht wäre es schön, das noch zu erledigen, was ich bislang versäumt hatte. Da die meisten Dinge davon nördlich der 42nd Street bis zur 57th Street lagen, organisierte ich eine Route, auf der ich nicht nur die Carnegie Hall, sondern auch das MoMA und zum Schluß das Waldorf-Astoria sehen konnte, bevor ich dann dort den Boden von Manhattan verlassen wollte, wo ich ihn auch erstmals betrat: an Grand Central Terminal.

Genau das gelang mir dann tatsächlich. Ist ja auch keine Kunst, wenn man den Plan selber macht und auf niemanden Rücksicht nehmen muß! Und ich muß im Nachhinein sagen, daß es ein sehr schöner letzter Morgen in New York war. Doch der Reihe nach: Ich bin also zunächst mit der lila 7 bis zur Endhaltestelle am Times Square gefahren, wo ich allerdings keinen letzten Blick mehr auf die Leuchtreklamen werfen konnte, weil ich unterirdisch zur nächsten Linie (Q gelb) laufen mußte, mit der ich dann zwei Stationen in Richtung Central Park gefahren bin – genauer gesagt Richtung Forest Hills, um an der 57th Street auszusteigen. Dort ging ich die Treppenstufen nach oben und stand – ohne es geplant zu haben – genau dort, wo ich hinwollte: vor der Carnegie Hall. Dummerweise war die Carnegie Hall komplett mit einem Baugerüst versehen, so daß man von der Straße aus nicht so gut fotografieren konnte.

Dann lief ich von der Carnegie Hall in Richtung 5th Avenue, wo ich „Abercrombie & Fitch“ aufsuchte. Dort war ich ja gestern bereits vorbeigekommen, konnte mich aber nicht zu einem Besuch entschließen, denn ich jetzt nachholte. Am Frühstückstisch hatte ich noch einige Testberichte im Internet gelesen, daß es dort sehr dunkel und sehr laut sein soll und nur Models dort arbeiten. Zudem sollte es förmlich nach Parfum stinken. Kurz gesagt: Im Internet kam der Laden nicht so gut weg. Aber lieber ein eigenes Bild machen, um dann mitreden zu können. Ich betrat das Ladenlokal (Die Eingangs-Security hatte ich also gefahrlos überstanden, wobei die beiden sich eher als Türöffner entpuppten.) und stand tatsächlich in einem – sagen wir – düsteren Raum. Der Laden erstreckt sich allerdings insgesamt über vier Etagen. Direkt am Eingang wird das Parfum verkauft, welches gar nicht mal so schlecht riecht. Hinter dem dortigen Verkaufstresen standen in der Tat wunderhübsche Frauen, die die Ware allerdings eher gelangweilt anpriesen, wobei „anpreisen“ der falsche Ausdruck ist, denn eigentlich standen sie nur da. Wie ich allerdings gelernt hatte, darf man in New Yorker Geschäften nicht lange auf einer Stelle stehen bleiben, denn dann kommt sofort ein Angestellter angeflitzt, um einen zu fragen, ob er helfen könne. Ich guckte mir die Kleidungsstücke an, die vornehmlich in Regalen gelagert wurden, deren einzelne Fächer mit Spots bestrahlt wurden. Sah sehr schön aus. Die meisten Kleidungsstücke kosten $30 (T-Shirts), $40 (Longsleeve), $60 (Pullover) und $90 (Jacken), was aufgrund des Dollarkurses eigentlich nicht zu viel verlangt war (Die Dollarpreise mußte man mit 0,73 multiplizieren. Von der Lautstärke her war es durchaus okay, wenn man nichts gegen baßbetonte Disco-Musik einzuwenden hat, wobei es sich eigentlich nicht um „richtige“ Disco-Musik handelte. Man konnte gut zuhören und fühlte sich nicht gestört. Leider darf man im Geschäft nicht fotografieren. Hier hätte ich mich noch stundenlang aufhalten können, aber nachdem ich alles zweimal gesehen hatte, mußte ich dann doch weiter, denn ich hatte mir ja noch etwas vorgenommen. Resümee: Ein Besuch bei „Abercrombie & Fitch“ lohnt sich auf jeden Fall.

Danach wechselte ich die Straßenseite und ging zu „Tiffany & Co“. Gleich nebenan steht der Trump Tower, beides weltbekannte Gebäude. Letzteres wollte ich mir heute von innen ansehen, nachdem ich einen Abend vorher gelesen hatte, daß es einen dreistöckigen Wasserfall im Foyer gibt. War nett anzuschauen, aber mehr auch nicht. Ich bin also wieder raus und die 5th Avenue südlich flaniert. Zwei Straßenecken weiter bog ich kurz rechts ab, um einen winzigen Abstecher zum MoMa, dem Museum of Modern Art, zu machen. Ich wollte natürlich nicht hinein, sondern nur mal da gewesen sein, damit ich genau das nachher behaupten können würde. Ich ging einmal durch die Eingangshalle, weil das eine gute Abkürzung zur 53rd Street war und ich dadurch einen halben Block sparte. Diese 53rd Street ging ich dann bis zur Park Avenue, bog dort rechts ab und stolzierte nun geradewegs auf das MetLife-Building zu. (Aufmerksame Leser dürften wissen, was ich vorhatte.) An der 49th Street wechselte ich die Straßenseite und fotografierte das, was ich einen Tag zuvor vergessen hatte: das Waldorf-Astoria.

Im Anschluß führte mich mein Weg geradewegs zu Grand Central, denn mir fiel ein, daß das Squash-Turnier am 21.01. beginnen sollte. Vielleicht wäre das ja schon morgens der Fall, so daß ich eventuell noch etwas zuschauen könnte, um mir die Zeit kurzweiliger zu gestalten. Und tatsächlich! Es spielten zwei Squash-Profis auf dem Court und ich schaute zwei Sätze lang zu, bis ich so langsam aber sicher Abschied von Manhattan nehmen wollte. Die Straße betrat ich nicht mehr, denn hier schloß sich mein persönlicher Kreis. Am Grand Central Terminal war ich vor fast genau vier Tagen der Subway entstiegen und hier wollte ich meinen Manhattan-Trip auch beenden. Ich schlenderte ein letztes Mal durch die riesige Halle, schaute mich nochmals um, fotografierte das Info-Terminal inmitten des Bahnhofs und ging zum Bahnsteig, an dem meine Linie 7 mich ein letztes Mal von hier aus nach Queens bringen sollte.

Ich stieg dieses Mal eine Station vorher aus, weil ich mal schauen wollte, welcher Weg kürzer war, wohl wissend, daß es der andere war. Vielleicht wollte ich auch nur Manhattan im Rücken haben und nicht vor mir, wie es der Fall gewesen wäre, wenn ich noch eine Station sitzengeblieben wäre. Sonst ging ich nämlich immer auf Manhattan zu und blickte auf das Chysler-Building und konnte sogar das Empire State Building sehen. Aber das wollte ich heute nicht mehr. Es war vorbei. Mich überkam ein wenig Wehmut, aber ein jeder Mensch weiß, daß alles einmal zu Ende geht. Ich ging am Hotel vorbei, wo ich netterweise mein Gepäck deponieren durfte, betrat den McDonald’s und nahm ein letztes Meal mit rüber ins La Quinta, wo ich in der kleinen Lobby saß und meinen Besuch typisch amerikanisch ausklingen ließ. Ich surfte noch ein wenig im Internet und packte dann meine beiden Taschen, verabschiedete mich und verließ das Hotel hinaus ins kalte New York, um dann an der Subway-Station in der Masse der Fahrgäste unterzugehen. Und als ich auf dem Bahnsteig stand und auf die Linie 7 (welche sonst?!) wartete, die mich nach Jackson Heights brachte, wo ich in die blaue E umsteigen mußte, steckte ich meine ipod-Stöpsel in die Ohren und hörte „New York“ von Alicia Keys und wischte mir innerlich die Tränen von der Wange. Ich genoß den Sound des Klaviers und hatte dabei Bilder meines Aufenthaltes vor Augen. Manche mögen das für kitschig halten und vielleicht ist es das auch. Ich war mir sicher, daß dies kein Abschied für immer war, denn mich hatte die Stadt auch in ihren Bann gezogen, wenngleich es dafür knapp zwei Tage brauchte.

An der Endhaltestelle der Linie E stieg ich aus, löste ein $5-Ticket für den JFK AirTrain, wartete fünf Minuten und fuhr zum JFK International Airport. Während dieser Fahrt schaute ich einem traumhaften Schauspiel zu, das die Sonne veranstaltete, die sich hinter den Wolken versteckte und ein ganz wenig seitlich hervorlugte, so daß es fast wie ein Sonnenuntergang aussah. Konnte es einen schöneren Ausklang dieser Reise geben?

meine Wegstrecke

Rückflug

Mit einer Verspätung von einer knappen Stunde hob die Maschine dann endlich vom JFK International Airport ab, um im dunklen Nachthimmel über der pulsierenden Metropole zu verschwinden, nachdem kurz zuvor noch ein allerletzter Blick auf Manhattan möglich war, was man allerdings nur anhand der Beleuchtung des Empire State Building erkennen konnte. Das Boarding begann schon mit 45minütiger Verspätung, d. h. eine Stunde vor Abflug, um 20.00 Uhr Ortszeit (oder 8 p.m.) sollte es eigentlich losgehen, aber die Passagiere der First Class durften um 20.45 Uhr an Board, bevor dann die Business Class an der Reihe war, dann diejenigen mit Kleinkindern, gefolgt von den Gold-Membern der StarAlliance bzw. Krisflyern von Singapore Airlines. Ganz zum Schluß durfte der gemeine Pöbel der Economy Class rein. Danach standen wir noch etliche Zeit am Gate, bevor wir dann in Richtung Rollfeld rollten. Dort mußten wir allerdings noch einmal geschätzte 30 Minuten warten. Da hatte wohl jemand seinen Slot verpaßt! Die Umbuchung auf die letzte Reihe des zweiten Abschnitts war nicht so wie erhofft, denn aufgrund der hinter den Sitzen befindlichen Wand konnte man die Rückenlehne zwar nach hinten stellen, ohne jemanden zu stören, aber eben nicht so weit. Dafür konnte der baumlange Kerl vor mir das umso weiter, natürlich ohne zu fragen, so daß ich ganz tief in den Sitz rutschen mußte, um auf meinem Monitor überhaupt etwas erkennen zu können. Dafür blieb dessen Rückenlehne auch den ganzen Flug über so. Glücklicherweise blieb in der Dreierreihe der mittlere Platz frei. Wenigstens etwas! Am Gang saß ein Asiate, der nach einem kurzen Zwischenstop in Frankfurt von einer Stunde mit der gleichen Maschine weitere 11 Stunden nach Singapur und dann noch einmal drei Stunden nach Vietnam fliegen wollte und mußte. Da war ich also mit meinen acht Stunden wirklich sehr gut bedient. Gleich nach dem Start wählte ich „Wall Street – Money never sleeps“ aus dem Programm aus, weil ich mir erhoffte, in dem Film noch einige gute Shots von Manhattan zu sehen. Dieser Wunsch ging selbstredend in Erfüllung. Und weil die Handlung des Films doch nicht so gut war, wie ich sie mir erhofft hatte, machte ich den Film nach 90 Minuten aus, um nach dem sehr leckeren Essen ein kleines Nickerchen von zwei Stunden zu machen. Mehr war leider nicht drin. Später gab es dann noch eine Portion Spaghetti, bevor wir dann in Frankfurt landeten und die Reise definitiv zu Ende war.