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Uhrzeit

Hinflug

Heute ist also der große Tag gekommen! So groß schien der Tag aber noch gar nicht, als der Wecker um 02.15 Uhr klingelte. Die Fahrt mit dem ICE bis zum Frankfurter Flughafen gestaltete sich ganz entspannt. Lediglich der alte Mann, der ausgerechnet zwei Plätze vor mir saß und ständig die Nase hochzog und zu der von ihm gehörten Musik mit den Fingern auf dem Tisch trommelte, hat ein wenig genervt. Aber immerhin war die Deutsche Bahn pünktlich. Am Frankfurter Flughafen war es zunächst einmal gar nicht so einfach, sich zurechtzufinden. Dagegen wirkt der Flughafen Köln/Bonn wie ein Provinz-Flughafen. Nach einem schier endlosen Marsch vom Bahnhof durch’s Terminal 1 hatte ich endlich den Schalter von Singapore Airlines gefunden, aber bis zum Check-In dauerte es noch eine knappe Stunde. Nach dem erfolgten Check-In blieben noch 90 Minuten bis zum Boarding, aber mit einer gekauften Zeitung ließ sich diese Zeit locker überbrücken. Nach der Sicherheitskontrolle wartete der nächste Warteraum auf uns Passagiere. Bis hierhin schlich der Tag wie ein angeschossener Indianer vor sich hin. Dummerweise begann das Boarden nicht wie angekündigt um 07.20 Uhr, sondern erst 25 Minuten später. Und dann gingen zunächst alle Familien mit Kindern an Bord, dann First Class und Business Class, bevor die Gold-Mitglieder einsteigen durften. Erst danach durfte der Economy-Pöbel, zu dem ich auch zählte, an Bord. In meiner Sitzreihe angekommen, stellte ich fest, daß ich augenscheinlich alles richtig gemacht hatte, als ich mich ein paar Tage vor der Abreise noch einmal bezüglich der Sitzreihe umentschieden und eine Zweierreihe gebucht hatte, denn der Platz neben mir blieb frei.

An Bord mußte ich jedoch zunächst einmal feststellen, wie groß die 747 ist. Beim Start spürte man die gewaltige Power, die die Maschine auf den Asphalt bringt. Dieses Gefühl ist ja bereits bei kleineren Maschinen schon gewaltig, aber bei der 747 schier unbegreiflich. Daß jeder Sitzplatz bei Singapore Airlines über einen eigenen Monitor verfügt, dürfte bekannt sein. Aber daß man zwischen 80 Spielfilmen wählen kann, hat mich dann doch ein wenig überrascht. Natürlich sind nicht alle in deutscher Sprache verfügbar, aber die Auswahl ist trotzdem beachtlich. Die Stewardessen an Bord sind allesamt sehr freundlich, ohne jedoch aufgesetzt zu wirken. Von daher muß ich sagen, daß ich auch mit Singapore Airlines alles richtig gemacht habe und der Flug schon unmittelbar nach dem Start zu einem Erlebnis wird, das man nicht missen möchte.

Zuerst habe ich mir „Teufelskicker“ und dann „The Expendables“ angesehen. Damit waren dann schon mal über vier Stunden des Fluges vorbei. Im Anschluß hab ich mir dann noch „Dirty Dancing“ auf englisch angesehen, als leichte Kost zum Abschluß.

der Tag

Als die 747 zur Parkposition gerollt war, wollte ich mich beeilen, um durch die Einreisekontrolle zu gelangen, denn da ich ja ohne Gepäck angereist war, würde ich relativ schnell amerikanischen Boden betreten können, wohl wissend, daß der Flughafen auch amerikanischer Boden ist. Ich meinte vielmehr nicht überdachten amerikanischen Boden.

In der Halle der Einreisekontrolle war die Benutzung von Fotoapparaten und Handys absolut verboten, worauf ich auch am Eingang von einem stark übergewichtigen Officer aufmerksam gemacht wurde. So konnte man also niemandem mitteilen, daß man gut angekommen war. Das erste Mal schüttelte ich gedanklich den Kopf.

Vor den Schaltern der Einreisekontrolle hatte sich logischerweise eine Schlange gebildet, denn alle Passagiere meines Fluges mußten durch die Kontrolle. Die Wartezeit war dennoch sehr kurz und es ging zügig voran. Am Schalter angekommen, mußte ich einen digitalen Abdruck meiner linken und rechten Hand und einen digitalen Abdruck meines rechten und linken Daumens inklusive Digitalfotografie meines Gesichtes über mich ergehen lassen. Ich wurde gefragt, wie lange ich in New York bleibe und schon war ich durch. Da ich am Gepäckband vorbeigehen konnte, gelangte ich zu einem zweiten Kontrollpunkt, wo meine Papiere nochmals kontrolliert wurden und ich wieder gefragt wurde, wie lange ich denn bliebe. Als ich antwortete „five days until Friday“, fragte mich der Kontrolleur, ob ich keine Kleidung für den Aufenthalt hätte, was ich verneinte. Daraufhin verfinsterte sich seine Miene und er fragte mich, ob ich die Kleidung, die ich trage, etwa fünf Tage lang tragen wolle. Ich habe kurz mit der Antwort gezögert, weil mich seine strengen Gesichtszüge etwas irritierten, antwortete dann aber, daß ich mir in New York etwas kaufen möchte. Schon fing er an zu lächeln und ich vernahm die Worte „Okay, have a nice stay in New York“. Ich glaube, die machen sich manchmal schon einen Spaß aus den Kontrollen, wenngleich sie doch einen ernsten Hintergrund haben.

Außerhalb des Kontrollbereichs marschierte ich an den wartenden Abholern vorbei in Richtung JFK AirTrain, der einen zur Subway bringt. Dort mußte ich das erste Mal mein iPhone zücken. Das tat ich zögerlich, weil ich der deutschen Gewohnheit folgend nicht gleich ein potentielles Raubopfer abgeben wollte. Aber irgendwie nahm eh keine Mensch Notiz von mir und es ging halt auch nicht anders. Der Zugang zum Bahnsteig lag innerhalb des Flughafens und der AirTrain fuhr in sehr kurzen Abständen ab, was ich in der Phase meiner ersten Orientierung feststellte. Als ich die richtige Seite gefunden hatte, stieg ich in den nächsten Zug und fuhr die paar Stationen zur Subway. Aus den Fenstern versuchte ich, einen ersten Blick auf bekannte Gebäude zu erhaschen, mußte dann aber erkennen, daß Queens doch zu weit von den uns bekannten Gebäuden entfernt ist und hatte dabei die übersichtskarte von New York und den boroughs vor Augen. Trotzdem erfreute ich mich an der Welt um mich herum, auch wenn ich noch durch Glas von ihr getrennt war. Ich sah die ersten amerikanischen Verkehrsschilder, die ersten amerikanischen Autos, die ersten amerikanischen Häuser, die ersten amerikanischen Straßen und die ersten amerikanischen Menschen. Innerlich strahlte ich förmlich, weil ich endlich in Amerika war. Mein Kindheitstraum wurde gerade Wirklichkeit!

Im Hotel angekommen, teilte man mir mit, daß ich normalerweise erst ab 15.00 Uhr auf mein Zimmer dürfte, aber man gegen 13.30 Uhr damit rechnet, daß die Zimmer bezugsfertig sind. Ich bin dann jeweils zwei Blocks nach links und rechts vom Hotel aus gegangen, um mir die Gegend anzusehen, aber -6 Grad Celsius waren mir dann doch ein bißchen zu kalt, so daß ich mich in die Lobby des Hotels gesetzt und noch etwas gelesen habe. Nach kurzer Zeit, es muß so ca. 13 Uhr gewesen sein, rief mich der Portier an die Rezeption und ich konnte mein Zimmer beziehen. Aus dem Zimmerfenster hatte ich einen herrlichen Blick auf ein McDonald’s-Restaurant.

Da ich nach der gesamten Reise doch ein wenig müde war, nahm ich mir vor, mich eine Stunde hinzulegen und dann nach Manhattan zu fahren. Und als ich auf dem riesengroßen Bett lag und in Gedanken den weiteren Tagesablauf durchging, da erklärte ich mich selber für bescheuert, denn wenn ich schon mal in New York war, dann wollte ich mit Sicherheit nicht schlafend im Hotel liegen. Also die Müdigkeit ignorieren und los. Die Bahnstation zwei Blocks entfernt kannte ich ja schon. Und da die Subway hier wirklich alle zwei Minuten fährt, war die Fahrt nach Manhattan überhaupt kein Problem.

Mein Plan war, daß ich am Times Square aussteigen wollte, aber auf dem Subway-Plan entdeckte ich, daß die Linie 7 durch Grand Central Terminal fährt, was mich kurzerhand dazu verleitete, dort auszusteigen. Also war das erste, was ich von New York City wirklich sah, die aus etlichen Filmen bekannte Empfangshalle von Grand Central Terminal, dem größten Bahnhof der Welt. Nach ein paar Fotos verließ ich den Bahnhof in Richtung MetLife-Building. Ich machte mir zwar zunächst noch ein paar Gedanken, ob man überhaupt Fotos machen durfte, weil die Amerikaner das ja bei öffentlichen Gebäuden nicht so gerne haben, aber weil dort so viele Personen fotografierten, verschwanden meine Bedenken. Durch die Lobby des MetLife-Building betrat ich dann den Boden von Manhattan. Und nun mußte ich im Straßengewirr eine Route finden, obwohl ich ja eigentlich nur zu Macy’s wollte, um mir Kleidung und eine Tasche zu kaufen. Aber wenn man auf dem Weg dorthin schon mal an so vielen Sehenswürdigkeiten vorbeikommt…

Zunächst einmal ging ich so, daß ich ein Foto vom MetLifeBuilding machen konnte, das dieses von vorne zeigt. Dabei stellte ich fest, daß ich somit auch direkt vor dem Bahnhof stand. Nach getaner „Arbeit“ machte ich mich auf in Richtung Osten, weil ich mir dann doch den Times Square anschauen wollte. Dabei richtete sich mein Blick immer wieder in die Höhe, um die wirklich zahlreichen Hochhäuser anzuschauen, aber von unten sehen die dann doch irgendwie alle gleich aus. Glücklicherweise haben die Amerikaner aber an jedes Gebäude eine Tafel geschraubt oder über den Eingang mittels großer Buchstaben geschrieben, um welches Gebäude es sich handelt. Und nur daher wußte ich, daß ich auf meinem Weg am „Bank of America Tower“ vorbeikam.

Man konnte bereits von weitem die Leuchtreklame erkennen. Und auch wenn es taghell war, so schien es mit jedem Meter durch die blinkenden Neonröhren immer heller zu werden. Irgendwie kam mir alles so bekannt vor! War ich hier schon mal? Das ist wohl das Gefühl, das jeder Besucher der Stadt hat, weil man alles aus dem Fernsehen oder von der Kinoleinwand kennt und natürlich auch viel gelesen hat. Und so ging es mir bei meiner ersten Sightseeing-Tour durch Midtown, wobei der Times Square bereits bei Helligkeit wirklich beeindruckend ist. Man wird von Werbung nur so erschlagen. Nach dem Gang durch das Hard Rock Café, welches direkt am Times Square liegt, machte ich mich auf den Weg zum Madison Square Garden.

Zwischendurch sollte es der geplante Besuch von Macy’s sein, von dem ich dann doch relativ enttäuscht war. Lag es daran, daß das Gebäude so groß war, daß man sich nicht zurechtfand oder eher daran, daß ich nicht das fand, was ich suchte? Mir war klar, daß ich ohne Sporttasche keine Einkäufe tätigen konnte, denn wie sollte ich die Klamotten sonst zurück nach Deutschland schaffen? Und so trat ich einigermaßen frustriert wieder zurück auf die Straße, hatte ich mir von Macy’s doch wesentlich mehr versprochen.

Danach ging es dann weiter zum Madison Square Garden, dem Veranstaltungsort schlechthin. Hier spielten nicht nur die New York Rangers und die New York Knicks, sondern hier hatten auch schon Boxkämpfe allererster Güte stattgefunden. Da stand sie nun vor mir, die wohl berühmteste Arena der Welt, wie sie sich übrigens auch selbst nennt. The Garden! Auch hier wurden die obligatorischen Fotos geschossen und dann sollte es zum Empire State Building gehen. Aber in welche Richtung? Ging ich gerade nach Osten? Oder nach Westen? Oder war es doch Süden? Ein Blick auf die Straßenschilder war nicht sehr aufschlußreich. Es mußte schon ein Blick in die Straßenkarte sein, der mir Orientierung verschaffte – zumindest den Ansatz davon.

Vor dem Empire State Building, das von der Straße aus zwar beeindruckend, aber irgendwie gar nicht so hoch aussieht, stehen Dutzende Werbemenschen, die einen dazu verleiten wollen, ein Ticket für Skyride zu erwerben. Doch davon wurde in allen Reiseführern und Internetartikeln abgeraten, so daß ich mich nach einem kurzen Stop an der Straßenecke in gebührender Entfernung zu diesen Werbeleuten dazu entschloß, einfach mal ins Empire State Building zu gehen und mir die Empfangshalle anzuschauen. Und ich muß sagen, daß ich mir diese Halle doch ein wenig größer vorgestellt hatte. Sie ist zwar sehr beeindruckend, aber man kommt sich schon ein wenig beengt darin vor. Auch hier wurden jede Menge Fotos gemacht und dann ging es die Stufen in die erste Etage hinauf, wo man Karten für die Aussichtsplattform kaufen kann. Sehr freundliche Mitarbeiter weisen einem den Weg, der durch hunderte von Metern abgesperrten Warteschlangenbereichs führt. Doch von Warteschlange keine Spur und auf einmal stand ich an der Sicherheitskontrolle, die tatsächlich exakt so abläuft wie am Flughafen. Man muß sogar den Gürtel ausziehen. Als ich dann endlich am Aufzug ankam, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, daß ich der einzige war, der dort stand. Es dauerte nicht lange, bis ich in der 80. Etage ankam und dort noch einmal umsteigen mußte. In der 86. Etage angekommen konnte ich durch die Glasscheiben zunächst lediglich erkennen, daß es draußen viele Gebäude zu geben scheint. Mir war klar, daß ich hinter diesen Scheiben nichts genießen kann, so daß ich ins Freie ging. Und da lag mir Manhattan quasi zu Füßen. Es war mittlerweile schon leicht dunkel geworden und in dieser Dämmerung sah man die Lichter in den Hochhausfenstern scheinen. Und trotz der Kälte, die hier oben in 320 Metern Höhe durch den Wind noch kälter schien, mußten Erinnerungsfotos gemacht werden, was ohne Handschuhe dann doch zur ein oder anderen Frostbeule führte, aber wen interessierte das in diesem Moment? Diese Aussicht entschädigte wirklich für alles!

Nun hatte ich schon das von mir gewünschte Foto von Manhatten bei Nacht, also beleuchtet. Wie würde das Foto in Übergröße wohl zu Hause an der Wand aussehen? Und wäre man dann nicht stolz, wenn man sagen könnte, daß man dieses Foto selbst aufgenommen hatte? Ich denke schon.

Zum Abschluß ging ich dann zu Fuß zurück zum Times Square, wo ich in die Subway stieg und zurück zum Hotel fuhr. Dummerweise hatte ich das Subway-System nicht ganz durchschaut und erwischte zwar die richtige Linie, aber als Expreßzug, der drei Stationen vor dem Hotel hielt und drei Stationen danach. Nun ja, jetzt wußte ich, warum es die Linie 7 mit Kreis und mit Raute gibt und worauf ich achten mußte. Am falschen Bahnsteig aus der Subway raus, Treppe runter, auf der anderen Seite wieder rauf und nach kurzer Wartezeit kam dann die richtige 7. Da neben dem Hotel der McDonald’s lag, konnte ich dort noch ein Meal ordern, weil ich den ganzen Tag außer der Flugzeug-Kost nichts gegessen oder getrunken hatte. Im Hotel stellte ich dann fest, daß der Big Mac gut schmeckte, aber die Hamburger eigentlich ungenießbar waren und auch die Coke nicht so schmeckte, wie man es aus Deutschland gewohnt ist.

Nach dem Abendessen im Hotelzimmer wollte ich noch kurz ein paar Fotos hochladen, ehe mein Netbook meldete, daß der Akku keine Kapazitäten mehr hatte. über Nacht schloß ich das Ding mittels mitgebrachtem Trafo an die Steckdose an und stellte am nächsten Morgen fest, daß der Trafo wohl mitten in der Nacht seinen Geist aufgegeben hatte, denn das Netbook war nur halb geladen und jetzt ließ sich nichts anderes mehr mit dem Trafo laden. Das konnte ja heiter werden! Hummeldumm läßt grüßen. Handy fast leer, iPhone fast leer, Netbook fast leer, Fotoapparat fast leer und kein Ladekabel, was in die amerikanischen Steckdosen paßt…

Die Nacht an sich war nicht so schön, was nicht daran lag, daß es auf der Straße relativ laut zuging und man die Sirenen amerikanischer Streifen- und Krankenwagen hörte, sondern daran, daß es im Zimmer so kalt war, daß an vernünftiges Schlafen nicht zu denken war. Eine Decke, mit der man sich hätte zudecken können, war nicht vorhanden, lediglich das Laken gab es. Na, herzlichen Glückwunsch!

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