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Uhrzeit

Hinflug

Natürlich war die Deutsche Bahn zu spät am Frankfurter Flughafen. Es waren zwar nur 12 Minuten, aber zu spät ist zu spät. Ich hatte aber noch genug Karenzzeit zwischen Ankunft in Frankfurt und Check-In, so daß ich mich nicht abhetzen mußte. Den ersten längeren Fußmarsch des Urlaubs hatte ich wieder in Frankfurt am Flughafen zu absolvieren. Als ich endlich am Check-In-Schalter ankam, stellte ich fest, daß man augenscheinlich schon einchecken konnte. Es waren sehr wenige Passagiere am Schalter und ich konnte eigentlich zügig durchgehen. Der Mann am Schalter fragte mich, ob ich extra gebucht habe, weil es das erste Mal ist, woraufhin ich wohl etwas verdutzt guckte aufgrund der komischen Fragestellung. Extra gebucht, weil es das erste Mal ist? Er erläuterte mir sofort, daß Singapore Airlines heute den Jungfernflug des Airbus A380 von Frankfurt nach New York durchführen würde. Und aus dem Grund lade die Fluggesellschaft alle Passagiere herzlich um 06.50 Uhr zu einem kleinen Empfang ein. Als mir das erklärt wurde, erinnerte ich mich, davon gelesen zu haben. Ich persönlich fand das alles jetzt nicht ganz so spannend, aber für die Fluggesellschaft, einige Passagiere und den Frankfurter Flughafen war das wohl in der Tat ein großes Ding, wie ich später merken sollte.

Doch zunächst überbrückte ich die Zeit bis zum Boarding und las ein wenig. Als ich zufällig auf die Uhr schaute, stellte ich fest, daß es 06.54 Uhr war und da die Wege in Frankfurt bekanntlich sehr weit sind, machte ich mich auf in Richtung Gate. Als ich dort ankam, sah ich dann, daß der Jungfernflug wohl eben doch besonders ist. Zahlreiche Pressefotografen, der Chef des Frankfurter Flughafens, der Europachef von Singapore Airlines und etliche weitere Schlipsträger standen an und um Stehtische und alleine die Kleidung verriet, daß es sich dabei nicht um Economy-Reisende handelte. Ich lauschte ein wenig den Reden, sah einen Auftritt einer volkstümlichen Gruppe aus Singapur, die einen Löwentanz aufführte, der Glück bringen soll und machte ein paar Fotos. Wenn man schon einmal bei einem solch bedeutenden Augenblick der zivilen Luftfahrt zufälligerweise mittendrin war, dann mußte das doch wohl für die Nachwelt festgehalten werden.

Nach dem Boarding war ich zunächst einmal richtiggehend überwältigt vom „Innenleben“ des Airbus A380. Da ich einen Abend zuvor online einchecken wollte, was aber nicht so geklappt hat, wie ich das gehofft hatte, buchte ich dabei noch einmal meinen Sitzplatz um, denn die allerletzte Reihe des Main Decks, also des Erdgeschosses, war unbesetzt. Eine Viererreihe ganz für mich alleine? Das klang verlockend, denn zumindest ein zweiter freier Platz ist eine Wohltat für die Beine und den Körper. Ich mußte also vom Eingang bis zur allerletzten Reihe und durchschritt dabei den gesamten Economy-Bereich. Die Seitenwände im A380 sind nur sehr, sehr leicht gewölbt, so daß man eigentlich das Gefühl hat, sich in einem normalen Raum zu befinden. Direkt hinter meinem Platz befand sich lediglich ein kleiner Durchgang und dahinter dann eine der Treppen zum Upper Deck. Ich habe mir die Benutzung der Treppe allerdings während des Fluges erspart, denn die Economy-Class im Upper Deck sieht mit Sicherheit genauso aus wie im Main Deck.

Trotz der Größe des Flugzeuges ging das Boarding erstaunlicherweise sehr schnell und schon rollte der Flieger rückwärts vom Gate in Richtung Landebahn. Und was sich dann abspielte, als der Airbus Fahrt aufnahm, hatte ich noch nie zuvor erlebt. Eine Urgewalt! Logisch, denn es muß ja auch eine Menge an Gewicht bewegt werden.

Kaum in der Luft, beschäftigte ich mich mit dem Videoschirm vor mir, der wie bei der 747 auch im Vordersitz angebracht ist. Dieser Videoschirm war jedoch nur locker mehr als doppelt so groß. Ich habe es ausgemessen: Der Bildschirm ist genauso groß wie der Bildschirm meines Netbook. Und was letztes Jahr schon komfortabel schien, wurde nun traumhaft.

Ich entschied mich zunächst einmal dafür, die letzten drei Folgen der achten Staffel von „Two and a Half Men“ zu gucken und mir dann die erste Folge der neunten Staffel, in der Ashton Kutcher das erste Mal auftaucht, zu sehen. Die hatte ich vor Wochenfrist bereits am heimischen Bildschirm verfolgt. Interessant war es allemal, denn die Folgen waren lediglich in englischer Sprache verfügbar. Dadurch lernte ich auch, daß der lustige Spruch von Rea Garvey aus „The Voice of Germany“ wohl eigentlich im Englischen gebräuchlich ist, denn Alan Harper benutzte ihn ebenfalls, als er sagte „Unfucking believable“, während Rea die eingedeutschte Version benutzt („Unfucking faßbar“). Zwischendurch mußte ich den Konsum der Comedy-Serie kurze Zeit unterbrechen. Zum einen war ich so müde, daß ich erstmal dreißig Minuten geschlafen habe und zum anderen gab es das erste Essen des Tages. Ich entschied mich für Rührei mit Spinat und Bratkartoffeln. Und dabei konnte ich nur bestätigen, was ich aus dem letzten Jahr noch wußte: Das Essen bei Singapore Air schmeckt wirklich nach Essen und nicht nach Pappe, wie es bei anderen Fluggesellschaften oftmals der Fall ist. Ein wenig durchgeschüttelt durch einige Turbulenzen etwa in der Mitte des Fluges, die jedoch maximal zwei Minuten dauerten, fiel meine Wahl beim Spielfilm auf „Resturlaub“, den ich zwar schon im Kino gesehen hatte, aber das war für mich nicht unbedingt ein Ausschlußkriterium.

Nachdem ich den Film zu Ende gesehen hatte und es oberhalb des Grand Lake in Kanada 2:10 Stunden vor Ankunft noch einmal kurzzeitig Turbulenzen gab, rollte das nächste Essen heran. Dieses Mal hatte ich wohl ebenfalls genau die richtige Wahl getroffen, als ich mich für Hühnchen mit Kartoffelpüree, Erbsen und Möhren entschied. Auch das schmeckte vorzüglich.

Die restliche Zeit des Fluges döste ich vor mich hin, beobachtete dabei die Reiseroute auf dem Bildschirm vor mir (59 Minuten vor der Landung in New York befindet man sich übrigens bei Quebec und im weiteren Verlauf passiert man in etwas größerem Abstand Montreal.) und freute mich auf die Stadt, die niemals schläft.

Dabei ließen mich meine Gedanken nicht los, ob der zweite Besuch ebenso berauschend werden würde, wie es der erste war, und ob ich genauso fasziniert die Heimreise antreten würde.

der Tag

Die Fahrt vom JFK International Airport zum Hotel gestaltete sich vollkommen unspektakulär. Für mich stellte sich nur die Frage, an welcher von zwei Haltestellen ich die Linie E verlassen und in die Linie 7 steigen würde. Als ich mit dem Airtrain am Jamaica Center ankam, löste ich zunächst einmal das 5-Dollar-Ticket für den Airtrain. Dann meinte ich mich zu erinnern, daß man am gleichen Automat auch das Wochenticket für die Subway, also die Metrocard, kaufen konnte. Aber irgendwie fand ich trotz deutschen Menüs nicht den richtigen Punkt. Also ging ich in Richtung Bahnsteig der Linie 7 und dachte, daß bestimmt unterwegs noch ein Automat kommen würde, an dem ich mein Glück noch einmal probieren würde. Es kam aber bis zum Aufzug keiner mehr, so daß ich zurück ins Gebäude gegangen bin, erneut an dem Automaten alles angeklickt habe, nichts fand und dann jemanden gefragt habe, der mir sagte, daß an diesen Automaten nur die Karten für den Airtrain verkauft werden und die „richtigen“ Metrocards am Bahnsteig zu erwerben seien. Also bin ich den ganzen Weg wieder zurück und habe mir die Wochenkarte auf dem Bahnsteig gekauft.

Während der Fahrt überlegte ich die ganze Zeit, ob ich – wie letztes Jahr – an der Haltestelle „Jackson Heights“ umsteigen sollte oder aber bis zum Court House Square durchfahren sollte. Dadurch wäre die Fahrt mit der Linie 7 kürzer. Ich entschied mich für die letztere Variante und fuhr dann mit der Linie 7 eine Haltestelle zurück. Als ich im Hotel ankam, konnte ich erstaunlicherweise direkt auf mein Zimmer. Es war zwar erst kurz nach 13 Uhr und Einchecken kann man eigentlich erst ab 15 Uhr, aber mir sollte es recht sein. Nachdem ich meine Sachen ausgepackt und die Dinge, die ich mitnehmen wollte, zurechtgelegt hatte, zog ich meine Jacken wieder an und marschierte aus dem Hotel zu der mir bekannten Haltestelle drei Blocks entfernt. Von dort aus hatte ich einen schönen Ausblick in Richtung Manhattan und nutzte die Wartezeit um die ersten Fotos zu machen.

Geplant hatte ich einen kleinen Rundgang von Grand Central bis zum Times Square, dann in Richtung Norden und hinter dem Duffy Square wieder Richtung Osten, vorbei am GE Building bis zur Park Avenue und wieder zurück zum Grand Central. Und genauso ging ich auch.

Als ich die Linie 7 an Grand Central Station verließ, betrat ich die schönste Bahnhofshalle der Welt. Ich bin ganz bewußt genau dort ausgestiegen, weil vor einem Jahr hier mein Besuch von Manhattan begann und fünf Tage später auch endete. Und auch dieses Mal war es wieder traumhaft, die umherlaufenden Menschen in der Halle zu beobachten. Ich wollte auf eine der Emporen, um von dort aus ein Foto zu machen. Als ich dort mit meinem kleinen Stativ und der Kamera hantierte, sprach mich jemand in einem blauen T-Shirt an, von denen dort oben gleich mehrere Personen standen. Die T-Shirts erinnerten mich an Apple, denn auch dort tragen die Angestellten diese blauen Shirts. Und genauso war es auch. Es handelte sich in der Tat um den Mitarbeiter eines Apple-Stores, denn auf der Empore hat die Firma einen Shop eingerichtet. Jedenfalls sprach dieser Mann mich in seiner Muttersprache an. Das Ganze war so schnell, daß ich nichts verstand, was ich ihm mitteilte. Daraufhin sprach er etwas langsamer und sehr deutlich. Er wollte mich lediglich darauf aufmerksam machen, daß das Fotografieren in Grand Central Station mit einem Stativ ohne Erlaubnis absolut verboten sei und wenn die MTA das sehe, dann würde ich unmittelbar ein Ticket bekommen. Ich bedankte mich recht herzlich, packte das Stativ zurück in die Tasche und ging. Meine Fotos hatte ich ja schon gemacht.

Ich verließ den Bahnhof in Richtung 42. Straße, denn über die wollte ich vorbei an der New York Public Library in Richtung Times Square gehen. An der New York Public Library machte ich einen Umweg von einem Block in Richtung Süden, weil ich unbedingt einmal durch den Bryant Park gehen wollte. Über diesen Park liest man immer so viel. Dort sollen im Sommer kleine Festivals stattfinden und auch jetzt im Winter wurde dort etwas geboten. Es war eine Eisfläche aufgebaut, die rappelvoll war. Ich fotografierte und ging, fotografierte und ging wieder ein paar Meter. Dabei fiel mir auf, daß es sich überhaupt nicht lohnte, die Kamera zwischendurch wegzupacken.

An der nordwestlichen Ecke des Parks stand ich nun vor dem noch zweithöchsten Gebäude der Stadt, dem 366 Meter hohen Bank of America Tower. Hier schlug ich den weiteren Weg wieder über die 42. Straße in Richtung Westen ein und nur einen Häuserblock später stand ich – unschwer an den vielen Lichtern zu erkennen – am Times Square. Hier bog ich in Richtung Norden ab, denn ich wollte ja bis zum Duffy Square, welcher das nördliche Ende bildet. Dort steht die bekannte rote Treppe, unter der sich die Verkaufsräume der Firma TKTS befinden. Diese verkauft verbilligte Theater- und Musicaltickets und entlang der Treppe bilden sich wohl tagtäglich stets lange Warteschlangen. So war es auch heute. Von der letzten Stufe der Treppe schoß ich noch ein paar Fotos in Richtung Times Square und ging wieder hinunter. Bevor ich die rote Treppe erreichte, besuchte ich jedoch noch zwei Geschäfte, die rechtsseitig am Times Square liegen: Planet Hollywood und den Disney-Store. Letzteren sollte man wohl niemals mit kleinen Kindern besuchen oder aber genügend Geld für den Besuch einplanen. Unglaublich, was es dort alles zu kaufen gibt! Vom Planet Hollywood hingegen war ich ein wenig enttäuscht. Es gab nur wenige T-Shirts und die waren auch noch alle sehr teuer. Zwar sind $19,95 ein wohl üblicher Preis für Merchandising-Artikel, aber ich entschied mich aufgrund meiner weiteren Wegstrecke gegen einen Kauf, weil ich die Sachen ja dann zusätzlich noch hätte tragen müssen. Ein Unterfangen, das mit der Spiegelreflexkamera in der einen Hand und der Kameratasche über der Schulter nur ein zusätzliches Hindernis darstellen würde.

Vom Duffy Square ging es dann zwei Blocks nördlich, bevor ich an der 50. Straße nach Osten abbog. So lief ich geradewegs vorbei an der Radio City Music Hall in Richtung Rockefeller Plaza, wo ich vor einem der schönsten Gebäude New Yorks stand, dem GE Building, wo sich die Aussichtsplattform Top of the Rock befindet. Heute ließ ich jedoch alles rechts von mir liegen, umrundete aber einmal die Eisfläche und ging weiter zur 5th Avenue. Dort wollte ich mir die St. Patrick’s Cathedral von innen anschauen. Dieses Vorhaben setzte ich in die Tat um. Und erst im Inneren dieser Kirche merkt man wirklich, wie groß sie ist. Von außen wird sie mittlerweile von den anderen Gebäuden um sie herum förmlich erdrückt. Früher war sie einmal das höchste Bauwerk der Gegend und genau das wird einem im Kirchenschiff deutlich. Nach den obligatorischen Fotos ging ich über die 50. Straße weiter bis zur Park Avenue und stand damit direkt vor dem Waldorf=Astoria. In diesem Jahr war das Hotel von einem Baugerüst umgeben. Ich machte wieder ein paar Fotos und ging die Park Avenue zurück in Richtung Grand Central Station, wo ich mir in einem der Läden die erste Coke meines Aufenthaltes kaufte.

meine Wegstrecke