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Als der Gedanke geboren war, zu Beginn des Jahres erneut nach New York City zu reisen, war die Vorfreude zunächst natürlich groß, denn der eigentliche Gedanke war ja bereits unmittelbar nach der Rückkehr im vergangenen Jahr entstanden.

Am zweiten Weihnachtstag des Jahres 2011 setzte ich mich vor meinem Spätdienst an den Computer und klickte wieder einmal die Seite von Singapore Airlines an, um zu sehen, ob der Preis sich vielleicht noch ein wenig veränderte. Ich hatte mittlerweile gelesen, daß der Flug im fraglichen Zeitraum nicht mit einer Boeing 747, sondern mit einem Airbus A380 durchgeführt werden sollte. Und genauso verläßlich wie diese Information war auch die Beständigkeit des Preises. Er veränderte sich einfach nicht oder nur sehr geringfügig, so daß ich beschloß, den Flug zu buchen. Und als ich mich durch die zahlreichen Menüs geklickt hatte, bemerkte ich, daß nur noch sehr, sehr wenige Plätze frei waren. Ich entschied mich zunächst für einen Platz am Gang in der letzten Reihe vor einer Küche. Fensterplätze waren keine mehr verfügbar, aber vom letzten Jahr wußte ich ja, was es zu sehen gab, denn letztes Jahr saß ich rechts am Fenster. Es gab allerdings keine Reihe mehr, in der es vielleicht hätte möglich sein können, daß ich dort alleine sitzen würde, also blieb mir nur der Platz. Beim Hotel wollte ich nichts dem Zufall überlassen und buchte das gleiche Hotel wie im letzten Jahr. Verkehrstechnisch hervorragend gelegen, kostenloses WLan, continental breakfast waren das, was mich vor etwas mehr als elf Monaten voll überzeugt hatte. Da der Flug wieder von Frankfurt ging, kaufte ich mir eine Zugfahrkarte für den ICE. Dieses Mal wollte ich jedoch einen oder zwei Züge später nehmen, denn die Wartezeit 2011 war eindeutig zu lang. Für’s erste Mal mit Sicherheit absolut okay, aber mit der Erfahrung nicht mehr notwendig. Mir war klar, daß die späteren Züge teurer sein würden, aber das ließ sich ja nicht ändern. Zu meinem Erstaunen kostete ein Platz in der 1. Klasse lediglich fünf Euro mehr. Wunderbar, da fängt die Reise ja schon stilecht an!

Doch je näher der Termin rückte, umso weniger Enthusiasmus war vorhanden und spürbar. Zwar traf ich erneut einige Vorbereitungen, ohne die ein solcher Trip nicht durchführbar ist, aber die eigentliche Frage, die über allem schwebte, war die, was ich in der Stadt machen und anschauen möchte, denn prinzipiell hatte ich vor einem Jahr alles gesehen, was ich mir vorgenommen hatte. Mußte ich meinem Drang nun Tribut zollen? War es vielleicht doch eher so, daß auf meiner persönlichen To-Do-Liste der Big Apple durchgestrichen war? Ich suchte mir zunächst einmal ein paar neue Ziele bzw. Aufgaben in der Stadt, in der es so viel zu sehen gibt. Zudem war da ja noch einiges, was sich lohnen würde, noch einmal in Augenschein zu nehmen. Mit einem Reiseführer für New York, der dreißig Touren vorstellt, die man zu Fuß erledigen kann, ging ich die Planung an. Dabei entfallen auf jede Tour vier Seiten, von denen wiederum eine einen Stadtplanausschnitt zeigt, auf dem die Tour eingezeichnet ist. Auf den anderen drei Seiten werden die schönsten Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Tour beschrieben. Also kompakt und übersichtlich, wie man es sich wünscht. Nach dem ausführlichen Studium dieses Guides erschien es mir ratsam, eine weitere für mich interessante Sehenswürdigkeiten ebenfalls auf einem Stadtplan zu vermerken, wie ich das bereits im letzten Jahr tat. Also kramte ich den vor zwölf Monaten benutzten Stadtplan heraus und entschied schnell, daß dieser mir nun keine Hilfe mehr sein würde. Es mußte also ein neuer Stadtplan her. Bei Amazon entdeckte ich gleich zwei Exemplare: einen Backpacker-Stadtplan aus einem Material, das es einem ermöglicht, den Stadtplan zu zerknüllen, zu falten, ohne daß dieser beschädigt wird, und eine zweite Straßenkarte, die so beschaffen ist, daß man sie im Regen benutzen und mit einem Filzschreiber beschriften kann. Ich konnte mich nicht zwischen den beiden entschieden und bestellte daher einfach beide. (Kleiner Einschub: Während ich diese Zeilen schreibe, haben wir gerade das Festland von Kanada erreicht und es sind noch 2:25 Stunden bis New York.)

Als die Lieferung von Amazon eintraf, schenkte ich dem zweitgenannten Stadtplan zunächst einmal mehr Beachtung, denn dort konnte ich die Touren aus dem Stadtführer mittels Filzschreiber einzeichnen, um auf einen Blick erkennen zu können, wie weit die Touren voneinander entfernt sind und welche Touren man eventuell miteinander kombinieren könnte. Im Anschluß vergewisserte ich mich, daß ich diesmal den Adapter-Stecker (oder besser gesagt „die“ Adapter-Stecker, denn ich hatte ja mittlerweile zwei!) auch wirklich einpacken würde. Als ich wenige Tage später im real,- an der Kasse stand, hingen dort zufälligerweise Reisestecker, so daß ich sicherheitshalber gleich noch einen kaufte, denn aufgrund der Vielzahl an Geräten könnte es sicher nicht schaden, wenn man eben nicht nur einen oder zwei mitnehmen würde. Das klappte zwar letztes Jahr, aber auch da war es bereits schwierig, alle elektronischen Geräte in der Nacht aufladen zu können. Und mit den drei Adapter-Steckern wäre ich nun in der Lage, das Netbook, eine der beiden Digitalkameras und mein iPhone aufzuladen. Da ich mir ja vorgenommen hatte, wieder einen Reisebericht bzw. –tagebuch zu schreiben, würde ich abends ja wieder einige Stunden wach im Hotel verbringen und könnte da umstöpseln…

Hatte ich mich im Abschnitt zuvor verschrieben? War da die Rede von zwei Digitalkameras? Nein und ja, denn vor Weihnachten erfüllte ich mir den langersehnten Wunsch, eine Digitalkamera zu erwerben und kaufte mir für 499 Euro eine Canon EOS 1100D. Selbstredend nahm ich meine alte kompakte Digicam ebenfalls wieder mit und so kam ich eben auf zwei Digitalkameras.

Ich hatte also alle Touren auf der Stadtkarte eingezeichnet und war mit dem Ergebnis zwar zufrieden, aber eben doch nicht zu 100%. Denn der Stadtplan war alles andere als übersichtlich und vor allen Dingen viel zu groß. Er schien mir geeignet, um mir beim „continental breakfast“ die Tagesaktivitäten auszusuchen, aber um ihn mitzuführen, war er mir ein wenig zu groß – zumindest für einen schnellen Blick. Also dachte ich nach und hatte die Idee, den bereits erworbenen Stadtführer noch einmal zu kaufen oder um es korrekt auszudrücken: Ein zweites Exemplar mußte her. Dann könnte ich die kleinen handlichen Karten am Ende jeder Tour ausreißen und mir auf meine Erkundungstour nehmen. Doch als ich den Reiseführer dann näher betrachtete, fiel mir auf, daß dort bereits so viel eingezeichnet war, daß meine zusätzlichen Sehenswürdigkeiten nicht mehr zu erkennen wären, wenn ich sie auch noch markieren würde. Dementsprechend habe ich die einzelnen Karten am PC eingescannt und die fertigen Bilder auf DIN-A4-Größe ausgedruckt. Und als ich dabei war, mir die Sehenswürdigkeiten rauszusuchen, recherchierte ich nebenbei im Internet und stellte mir erneut einen eigenen Reiseführer zusammen, in dem ich dann die Informationen zu meinen Tagesplanungen würde nachlesen können, wie ich es auch im vergangenen Jahr gemacht habe.

Jetzt hatte ich also einen Stadtführer mit dreißig Touren, den ich zu Hause ins Regel stellen kann, den gleichen Reiseführer als Orientierungshilfe vor Ort und die einzelnen Karten daraus in vierfacher Größe mit den von mir markierten Highlights. Übrigens habe ich die auf dem PC vorhandenen Grafiken im Nachhinein auch noch mit meinen Highlights versehen, so daß ich für die Zukunft vorgesorgt habe. Nicht zu vergessen waren die beiden Stadtpläne von Amazon, der Stadtplan vom letzten Jahr und meine selbst erstellten Notizen. Wenn das nicht reichen würde!

Da ich mich nicht entscheiden konnte, was mein Reisebegleiter werden sollte, nahm ich gleich alles mit. Vor Ort würde ich mich dann für eine Informationsquelle entscheiden.

Und als ich so mitten in diesen Vorbereitungen steckte, notierte ich mir immer mehr, was ich unbedingt sehen wollte. Ich klickte mich durch unzählige Fotos im Internet, bekam zu Weihnachten ein hervorragendes Buch über New York geschenkt, kaufte mir selber ein Buch zum World Trade Center mit außergewöhnlichen und hervorragenden Bildern vom Bau bis zum Einsturz. Und plötzlich war ich mittendrin. Ich wollte hier noch hin und das noch sehen. Ha! Die Vorfreude hatte mich so überrumpelt, daß ich das noch nicht einmal richtig gemerkt hatte.

Jetzt konnte es losgehen…