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Uhrzeit

Mein erster Blick nach einer unruhigen Nacht, in der mittendrin einmal das Telefon klingelte und ich nicht mehr einschlafen konnte, galt dem Thermometer: -13 Grad. Der Blick aus dem Fenster verriet mir, daß zumindest kein neuer Schnee gefallen war. Die Blasen an den Füßen schienen auch halbwegs wieder in Ordnung zu sein.

Doch warum klingelte mitten in der Nacht auf meinem Zimmer das Telefon? Ich schreckte dadurch im Bett auf und hab mir vorgestellt, daß jetzt unten an der Rezeption zwei Polizisten im Auftrag von American Airlines stehen, weil ich den Rückflug habe verfallen lassen und die Fluggesellschaft dadurch irgendwelche Komplikationen hatte. Wahrscheinlich würde ich jetzt in Regreß genommen und müßte für die Verspätung aufkommen. Ich rechnete kurz nach dem Anruf damit, daß es an meiner Tür klopfte oder jemand die Tür gar direkt eintrat. In Guantanamo war bestimmt besseres Wetter… Doch nichts geschah. Merkwürdig! Nach einiger Zeit schlief ich wieder ein, wurde aber viel zu früh wieder wach, so daß ich doch ein wenig gerädert war, als ich mich aus dem Bett schälte. Nun ja, nach einer heißen Dusche und einer Rasur ging es schon wieder ein bißchen besser. Es war an der Zeit, die Tagesplanung in Angriff zu nehmen…

Als ich mich in Gedanken daran begab, fiel mir auf, daß es eigentlich gar keine gab, denn bestimmte Ziele hatte ich nicht. Zwar hatte ich noch meine beiden vor Abflug gekauften Tickets für die Downtown-Tour und Top of the Rock, aber bei den Minustemperaturen würde das wohl weniger Spaß machen. Also ging ich erst einmal frühstücken und ließ mich dabei vom Fernseher berieseln. Als ich wieder auf dem Zimmer war, überkam mich noch einmal die Müdigkeit und ich nickte für eine Stunde weg. Irgendwie war bislang in diesem Trip der Wurm drin. Im Anschluß entschied ich mich dazu, Richtung Gramercy Park zu starten und mich von da aus nach Norden „vorzukämpfen“. Ein kleiner Schlenker zu B&H sollte auch noch sein. Also ging ich zur Subway, stieg in die 7 und fuhr bis zum Grand Central, wo ich in die 6 Richtung Brooklyn Bridge umstieg. An der 23rd Street verließ ich die Subway und orientierte mich nach Osten. Immer schön einen Block geradeaus und dann abbiegen, erst rechts und dann links. Und schon war ich am Gramercy Park, den ich vor drei Jahren erstmals gesehen hatte. Ich ging einmal drum herum und notierte für mich selber, daß ich den nicht nochmal sehen muß. Vom Park aus ging es zum Broadway. Auf diesem Weg kam ich an Theodore Roosevelt’s Birthplace vorbei. Schnell ein paar Fotos gemacht und weiter ging’s. Ich wußte, daß B&H in Höhe der 32nd Street hinter dem Madison Square Garden sein Ladenlokal hat, weshalb ich auch hier alle paar Blocks abbog. Ich ging um das Post Office hinter dem Madison Square Garden herum und stand vor dem Laden.

B&HB&H

Unterwegs entdeckte ich noch eine preiswerte Parkmöglichkeit. Schade, daß ich nicht mit dem Auto unterwegs war. Bei so einem Schnäppchen mußte man ja eigentlich sofort zuschlagen.

preiswertes Parkenpreiswertes Parken

Als ich bei B&H reinging, war ich verblüfft, denn von außen sah er gar nicht mal so groß aus, wie er in Wirklichkeit ist. Ich stapfte ein wenig umher und verließ den Laden aber relativ schnell wieder. Haken dran und weiter. Von dort aus ging es dann weiter in Richtung Herald Square, weil ich bei modell’s und der Manhattan Mall vorbeischauen wollte. Bei modell’s war alles ganz auf den Super Bowl ausgerichtet und meiner Meinung nach alles viel zu überteuert (Gibt’s überhaupt noch ne Steigerung von überteuert?). Ich fand nichts und ging in die Manhattan Mall zu Aéropostale, wo ich mein Portemonnaie allerdings auch nicht zücken mußte. Ich hatte ja erst im Oktober acht T-Shirts mitgebracht. Aber gucken kostet ja nichts!

AéropostaleAéropostale Manhattan Mall

Von der Mall ging es dann in Richtung Times Square, wo ich erstaunt feststellte, daß die Baustelle verschwunden war. Aber als ich darüber nachdachte, schien es mir logisch, daß die schon zu Silvester wieder verschwunden war. Ich schaute hin und wieder auf mein Garmin, mit dem ich meine täglichen Routen aufzeichnete, und stellte fest, daß die Akkus fast leer waren, obwohl ich sie nach dem Washington-Trip ja wieder vollständig aufgeladen hatte. So kalt war es also! Und die Aufzeichnung meiner Route für den heutigen Tag war am Times Square beendet. So bekam mein Garmin nicht mehr mit, daß ich zur 5th Avenue ging und mich auf den Weg zum Central Park machte. Wenn schon einmal Schnee lag…

Es wurde allerdings immer kälter und wenn die Sonne zwischen den Häuserschluchten nicht zu sehen war, dann brannte die Haut im Gesicht doch ganz schön. Im Central Park ging ich bis zum Wollman Rink und genoß die weiße Pracht. Erstaunlicherweise war sehr viel los, womit ich nicht gerechnet hätte. Als ich alles ausgiebig betrachtet und meine Fotos gemacht hatte, verließ ich den Park am Grand Central Plaza, verschwand im FAO Schwarz, wo ich allerdings auch nichts fand, was einen Kauf gerechtfertigt hätte und ging zu Subway an der Lexington Avenue, von wo aus ich wieder bis zum Grand Central fuhr. Ich merkte, daß die Füße doch wieder ein wenig schmerzten und wollte es nicht vollends übertreiben. Als ich in Queens ankam, kehrte ich noch schnell bei Pete’s Grill ein, bevor ich mich auf’s Hotelzimmer begab und meine Bilder anschaute. Als ich mich im Badezimmer im Spiegel betrachtete, sah ich knallrote Wangen und die Haut spannte.