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Der vorletzte komplette Tag in New York startete wieder mit einer unruhigen Nacht. Komisch, solche Probleme hatte ich sonst nie. Ich wurde mitten in der Nacht wach, drehte mich um, schlief wieder ein, wurde wieder wach, schlief wieder ein usw. Als ich dann endlich um 8.30 Uhr entschieden hatte, daß ich zum Frühstück gehen wollte, war ich mal wieder wie durch die Mangel gedreht. Nach dem american breakfast ging’s jedenfalls wieder auf’s Zimmer und nochmal ins Bett. Zudem hatte ich ein wenig Kopfschmerzen und die Haut im Gesicht spannte. Wahrscheinlich eine Folge des gestrigen Tages.

Um kurz nach 12 Uhr stand ich dann auf und nahm mir für heute trotz der eisigen Minusgerade von -13 Grad die Downtown-Bustour vor. Das Ticket hatte ich ja bereits in Deutschland erworben und wer weiß, ob ich innerhalb der nächsten 12 Monate noch einmal nach New York komme. Also fuhr ich mit der Subway bis zum Times Square, weil ich im Madame Tussaud’s noch das Ticket holen mußte. Während der Fußwege zur Subway und zum Ticketcounter merkte ich schon, daß mein Gesicht brannte. Ich hatte zwar eine dicke Mütze, die den Kopf und die Ohren wunderbar schützte, aber einen Schal, den ich vor den Mund bzw. das Gesicht hätte legen können, hatte ich leider nicht. Das Ticket war schnell geholt und auf Nachfragen erklärte mir der freundliche Mitarbeiter, daß der Bus direkt um die Ecke abfahre.

Als ich am Bus ankam, fragte ich einen der Werber mit den gelben Jacken, welcher Bus denn der nächste für die Downtown-Tour sei, woraufhin er mein Ticket kontrollierte und mir sagte, daß ich direkt in den vor mir stehenden Bus einsteigen könne. Kaum war ich auf dem Oberdeck, das halb durch ein Plexiglas-Dach verdeckt war, angekommen, rief jemand, daß ich mein Ticket vorzeigen müsse. Ich ging zur Treppe zurück und ein weiterer Mitarbeiter von City Sights stand vor mir. Ich zeigte ihm mein Ticket und sagte dabei, daß ich dem hinter ihm stehenden Mitarbeiter bereits das Ticket gezeigt hätte, woraufhin er entgegnete, daß das egal sei, weil er das Ticket kontrollieren müsse. Okay, war ja kein Problem.

Ich setzte mich in die zweite Reihe hinter dem Ende des Plexiglasdaches, damit ich durch das Dach nicht beim Fotografieren gestört würde. In der letzten Reihe nahmen vier Jungs aus Deutschland – dem Dialekt nach zu urteilen, aus Bayern – Platz, die in der Folgezeit während der Fahrt mehrfach vom Tourguide ermahnt werden mußten, daß sie doch bitte ruhig sein sollen, weil die anderen Fahrgäste den Erläuterungen folgen wollten. Ja, es waren tatsächlich noch mehrere Bescheuerte auf die Idee gekommen, bei -13 Grad die Downtown-Tour zu machen! Aber irgendwie schien die Jungs das wohl nicht zu interessieren. Ich hörte sie zwar nicht, aber der Tourguide anscheinend. Und bei der dritten Ermahnung merkte man ihm an, daß er langsam richtig sauer wurde. Das war aber auch die letzte Ansprache. Die Jungs stiegen am City Hall Park aus – wie die übrigen Fahrgäste auch. Eine dreiköpfige Familie (vermutlich Spanier) stieg ein und begleitete mich bis zum Waldorf=Astoria, denn ich machte die Tour in einem Rutsch und stieg nirgendwo aus. Bereits während des Halts am City Hall Park merkte ich, wie die Kälte so langsam von unten in den Körper kroch. Ich nutzte die Zeit während des Haltes und vertrat mir ein wenig die Beine, aber warm wurde mir dadurch nicht. Danach setze ich mich unter das Dach und hoffte, daß der Wind dort nicht so pfiff. Und das tat er glücklicherweise auch nicht.

Die Erklärungen kamen mittlerweile komplett vom Band, aber nach einiger Zeit – es muß so etwa in Höhe von Stuyvesant Town gewesen sein, denn die Erklärungen dazu habe ich noch mitbekommen – hörte ich über die von City Sights zur Verfügung gestellten Kopfhörer nichts mehr. Ich wechselte den Anschluß und hörte immer noch nichts. War aber nicht so schlimm, denn das Deutsch, das die Dame sprach, war abscheulich. Warum haben die nicht jemanden gefragt, der die Sprache spricht? (Zum Beispiel sagte die Dame immer „wir abbiegen jetzt rechts“ und der Anschlag auf das World Trade Center war am „11. November“, was wahrscheinlich daran lag, daß es ja in Amerika „9/11“ heißt und der November der elfte Monat ist. Ich weiß es nicht.) Einige Informationen konnte man zwar aufschnappen, aber gefehlt hätten mir die Infos jetzt auch nicht unbedingt, wenn ich sie nicht bekommen hätte. Jetzt mußte es halt ganz ohne gehen.

Ich zählte die Straßen runter, was in Manhattan ja relativ einfach ist. Wir befuhren die 1st Avenue und wußte, daß der Bus kurz nach den UN links abbiegt und sehnte das Bürohochhaus herbei. Ich spürte meine Finger und Füße nicht mehr und meine Beine fingen auch an zu schmerzen. Wahnsinn! Da! Endlich erschien das Hochhaus der United Nations auf der rechten Seite. Und als die Spanier am Waldorf=Astoria ausgestiegen waren, quatschte ich die restliche Zeit mit dem Tourguide. Wir waren ja alleine. Er fragte mich noch einmal, ob ich wirklich aus Germany sei, weil ich seiner Meinung nach hervorragendes Englisch sprechen würde. Ich entgegnete ihm nur, daß ich vielleicht besser englisch spreche als die meisten New Yorker Taxifahrer, aber von hervorragend weit entfernt sei. Trotzdem bat ich ihn, daß er mir das auf- und nachher unterschreibt, damit ich meiner alten Englischlehrerin diesen Zettel zukommen lassen könnte. Es war jedenfalls kurzweilig. Zum Abschied gab ich ihm §5 Trinkgeld, weil er im ersten Drittel sehr schön erklärt hatte. Er bedankte sich mehrfach und rief mir „God bless you!“ hinterher. Wie im Film!

City SightsCity Sights Downtown Tour

Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, merkte ich, daß das Gehen nach knapp zwei Stunden nicht mehr ganz so einfach fiel. Ich spürte weder Beine noch Füße oder Hände. Ich hielt mir immer eine Hand vor’s Gesicht, weil der Wind auf den Wangen weh tat. Als ich kurz an einer roten Ampel anhalten mußte, stellte ich fest, daß ich am ganzen Körper zitterte. Also weiter! Am Times Square ging ich in den Disney-Store, kaufte einige Mitbringsel und hielt mich dort ein wenig auf, um mich aufzuwärmen. Ich fand sogar etwas Passendes zu meiner Situation.

Disney StoreDisney Store Times Square

Danach ging es mir besser und ich ging bis zur Wache des NYPD, wo ich im Untergrund verschwand. Ich fuhr zwei Stationen bis zum Grand Central, weil ich das Finale des jährlich stattfindenden Squash-Turniers anschauen wollte, welches um 19.45 Uhr stattfand. Um 18 Uhr sollte das Frauen-Finale stattfinden. Es war also noch etwas Zeit, die ich mir damit vertrieb, daß ich vom Apple-Store aus ein paar Fotos machte. Das Motiv hatte ich zwar schon etliche Male im Kasten von den vergangenen Reisen, aber hier war es wenigstens warm und ich konnte ein wenig mit „The Pod“ herumexperimentieren. Als ich dann die Treppe hinunterging, um von dort aus noch ein paar Fotos zu machen, merkte ich während der Aufnahmen, daß sich neben mir eine Frau mit ihrer Kamera abmühte. Ihr gelang es aufgrund der langen Belichtung nicht, daß die Bilder unverwackelt waren. Und wenn sie zu kurz belichtete, waren die Bilder zwar scharf, aber ein wenig zu dunkel. Da ich fertig war, schraubte ich „The Pod“ von meiner Kamera ab und hielt ihn ihr hin. Sie guckte mich an und fragte, was ich wolle. Ich erklärte ihr, wofür das Ding gut sei und daß man das hier benutzen dürfe, weil Stative ja verboten seien und sie solle es ruhig ausprobieren. Wir schraubten ihre Kamera auf und sie fragte mich, wie lange sie denn belichten solle. Im Anschluß machte sie ein paar Fotos, bedankte sich höflich und zog anschließend ihres Weges. Hoffentlich sind die Fotos wenigstens was geworden!

Grand Central TerminalGrand Central Terminal

Im Vorbeigehen durch die Vanderbilt Hall stellte ich fest, daß das Turnier immer noch nicht wieder gestartet war. Im gegenüberliegenden Bereich konnte man im letzten Jahr noch Squash-Artikel shoppen. Da das der letzte Turniertag war, waren die Artikel sehr, sehr drastisch reduziert. Und genau darauf hatte ich heute auch gehofft, aber der Zugang war mit Flatterband abgesperrt und durch Security bewacht. Im Squash-Court waren zwei Tischtennisplatten aufgebaut und es fanden zwei Spiele statt. Daher entschloß ich mich dazu, Grand Central zu verlassen und auf die 42nd Street zu treten, weil ich noch ein Motiv abschießen wollte. Ich ging über den Pershing Square, zückte meine Kamera und hatte das Ding im Kasten.

Unbenannt

Die Kälte machte mir nichts mehr aus und ich hatte noch nicht einmal Handschuhe an. Trotzdem ging ich wieder zurück ins Bahnhofsgebäude und stellte dort fest, daß das Flatterband weg und der Bereich dahinter gefüllt war. Also ging ich auch zu den Verkaufsständen. Wieder waren alle Artikel reduziert und ich kaufte mir zwei T-Shirts. Der Verkäufer meinte, die würden groß ausfallen und L würde reichen. Ich war skeptisch und tippte auf XL. Sicherheitshalber nahm ich beide Shirts mit. Als ich die Dinger im Hotel am Abend anprobierte, war XL doch die bessere Wahl. Aber für den Preis ($10) konnte man das ruhig mal riskieren.

Eigentlich interessierte mich das Frauenfinale nicht wirklich und der Hunger machte sich bemerkbar. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, daß es noch etwas mehr als eine halbe Stunde bis zum Endspiel der Frauen dauerte und dementsprechend noch über zwei Stunden bis zum Herren-Endspiel. Dadurch war die Entscheidung gefallen und ich trat die Heimreise zum Hotel an. Ein kurzer Halt am McDonald’s und schon war ich im Hotel.

Dort war ich ein wenig enttäuscht, weil ich von den über 100 Bildern des Tages (Viel mehr konnte ich ja nicht machen, weil ich das falsche Ladegerät mitgenommen hatte. Wir erinnern uns!) lediglich fünf in die Kategorie gute Bilder einsortieren würde. Und mit dieser Ausbeute kann und bin ich absolut nicht zufrieden, aber wenn sonst schon wenig klappt auf diesem Trip, warum sollte das dann funktionieren?! Leicht wütend klappte ich mein Laptop zu, dessen Schnelligkeit für noch mehr Zorn bei mir sorgte, und der Tag war beendet.