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Als ich am Donnerstag aufwachte, schleppte ich mich zum Frühstück und legte mich danach noch ein wenig auf’s Bett, bevor ich um kurz nach 12.00 Uhr das Hotel verließ. Abends wollte ich das Finale des J.P. Morgan Tournament of Champions im Grand Central anschauen, so daß mir ein langer Tag bevorstand. Und der begann mit einer Fahrt in den Financial District. Dort ging ich direkt zum WTC Memorial, wo man bei meinem letzten Besuch noch ein Ticket brauchte. Jetzt kann man einfach so um die beiden Pools laufen. Ich erinnerte mich an meinen allerersten Besuch, wie beeindruckend und unfaßbar ich das alles fand, was ich hier sah. Mittlerweile war das mein vierter Besuch am Memorial, so daß mir alles schon bekannt war. Trotzdem war es immer noch unfaßbar. Ich entdeckte eine Rose in einem Namen stecken und mußte unweigerlich an all die persönlichen Schicksale denken, die hinter den Namen stecken.

Als ich ein wenig umhergeschlendert war, war es an der Zeit, das 9/11-Museum aufzusuchen, das bei meinem letzten Trip noch nicht fertig war. Etwas Neues! Juchhu! Auch wenn der Anlaß für dieses Museum natürlich alles andere als freudig ist. Ich war jedenfalls mehr als gespannt, wie das Museum geworden ist und wie es mir “gefällt”. Nachdem ich mein Ticket gekauft hatte (Eine Warteschlange gab es erstaunlicherweise keine.), betrat ich das Museum, ließ die Einlaßkontrolle über mich ergehen und begab mich in den Ausstellungsbereich. Tja, was soll man großartig sagen?! Unfaßbar, die einzelnen verbogenen Stahlträger zu sehen. Unterhalb der beiden Pools darf man keine Fotos machen, denn unter einem Pool hängen die Bilder von allen bei den Anschlägen Vermißten bzw. Verstorbenen mit etlichen persönlichen Gegenständen in alphabetischer Reihenfolge. Unter dem anderen Pool gibt es eine Ausstellung der chronologischen Ereignisse mit dokumentarischen Fotos und Audioaufnahmen. Bedrückend und sehr ergreifend! Im Museum steht ebenfalls ein Feuerwehrwagen, der seinerzeit vor Ort war. Unfaßbar! Zudem gibt es einen Teil der Antenne des ehemaligen Nordturms und einen Aufzugmotor zu sehen. Nach ca. drei Stunden und etlichen zurückgelegten Metern verließ ich das Museum wieder und trat ans Tageslicht. Die Eindrücke mußten erstmal verdaut werden.

Was würde da besser passen, als ein Besuch des genau gegenüberliegenden Century 21?! Also nichts wie rein! Ich wollte mal gucken, was man alles preisgünstig abstauben konnte. Letzten Endes entschied ich mich für diverse Kleidungsstücke und eine CD aus dem Sortiment von J&R Express. Mitsamt meiner Tüte watschelte ich zur Subway und wollte vor dem Endspiel noch schnell zum Converse-Shop (560 Broadway), um für meine Frau nach zwei Farben Ausschau zu halten. Beide Farben waren zumindest schon mal da, eine sogar runtergesetzt. Ich überlegte kurz und orderte gleiche beide Farben, die auch in der passenden Größe vorrätig waren. Anprobieren war ja nicht, also wechselten die Schuhe so den Besitzer. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie teuer die Schuhe in Deutschland sind, weil ich sie nicht trage, aber wir stellten nach meiner Rückkehr fest, daß sich der Kauf gelohnt hatte. Leider paßte ein Paar nicht, obwohl beides die gleiche Größe war. Aber es fand sich einen Käufer, so daß wir zumindest keinen finanziellen Schiffbruch erlitten. Nun hatte ich also zwei Paar Converse und meine Einkäufe aus dem Century 21 und begab mich per Subway zum Grand Central. Es waren noch etwa 45 Minuten, ehe das Frauenfinale anfangen sollte. Zeitlich war das also zu machen.

Ich trudelte auch rechtzeitig zum Warmspielen im Grand Central Terminal ein. Dort spielte wieder die Lokalmatadorin Amanda Sobhy, so daß für reichlich Stimmung gesorgt war. Letzten Endes verlor sie aber völlig verdient gegen Nour El Sherbini aus Ägypten. War aber schon mal ein guter Appetizer für das Männerfinale zwischen dem Weltranglistenersten Mohamed El Shorbagy und Nick Matthew aus Großbritannien. Ich erfreute mich daran, daß neben mir der ehemalige Weltranglistenerste Ramy Ashour stand, der dieses Jahr verletzt aussetzen mußte. Die Stimmung war auf dem Siedepunkt, als das Spiel endlich begann. Und was die beiden Herren dann da auf den Court zauberten, war so mit das Beste, was die Sportart zu bieten hat. Unfucking believable! Ich hätte noch stundenlang zugucken können. Aber irgendwann ist auch das beste Spiel zu Ende und ich trat meinen Heimweg an.

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