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Mittlerweile drängte die Zeit ein wenig, denn die im Vorfeld gekauften Tickets mußten ja noch weg. Und da für Samstag Regen angesagt war, mußte es also heute rüber zu Liberty Island gehen. Der Plan stand eigentlich direkt nach dem Aufstehen fest. Im Castle Clinton holte ich mir mein Ticket ab und ging zum Sicherheitscheck ins weiße Zelt. Nachdem der überstanden war, konnte ich direkt auf die Fähre, die noch relativ leer war. Natürlich stürmten alle anderen direkt auf’s obere Deck und sicherten sich dort die Sitzplätze. Da ich die Tour ja bereits vor fünf Jahren einmal gemacht hatte, stellte ich mich ein wenig cleverer an und sicherte mir direkt einen Platz an der Reling am Heck, um bei der Überfahrt die Skyline fotografieren zu können. Ich orientierte mich relativ weit nach rechts, damit ich dann im Vorbeifahren auch noch ein paar Fotos von der Freiheitsstatue machen konnte. Wenn man auf Liberty Island ist, kann man ja eigentlich keine schönen Fotos mehr von Miss Liberty machen. Es dauerte einige Zeit, bis der Kahn ablegte und durch die Upper New York Bay ins Gebiet von New Jersey tuckerte, denn Liberty Island liegt geografisch eigentlich nicht mehr auf New Yorker Gebiet.

Während der gesamten Überfahrt nervte mich eigentlich nur die russische Familie, die sich dummerweise neben mir postiert hatte. Die Frau herrschte ihren Mann die ganze Zeit an, irgendwelche Fotos zu machen und manövrierte ihn von links nach rechts. Dabei rempelte sie mich andauernd an, so daß ich mich irgendwann erbost umdrehte, weil ich gerade fotografierte. Ein wenig Rücksicht würde da nicht schaden! Der arme Mann guckte mich ganz unterwürfig an und machte eine entschuldigende Geste. “Du hast es auch nicht leicht!” waren meine Gedanken und ich versuchte, die schreckliche Frau auszublenden, was mir aber nicht vollends gelang. Zu schrill war ihre Stimme und zu grausam ihr Benehmen. Dabei war sie eigentlich vernünftig gekleidet und erweckte den Eindruck einer Dame. Mittlerweile schubste sie ihren ca. 15jährigen Sohn auch hin und her und ich sehnte das Ende der Fahrt herbei.

Nachdem wir angelegt hatten, umrundete ich Liberty Island einmal, schoß einige Fotos und wunderte mich über das Verhalten einiger Touristen, die die schönsten Fotospots minutenlang für irgendwelche Selfies blockierten, anstatt den Platz für andere zu räumen. Ja, der Tourist an sich ist schon eine sehr spezielle Spezies. Eigentlich hat der Tourist mindestens einmal am Tag eine Ohrfeige verdient. Ich schlenderte zurück zum Anlegesteg und wartete auf die nächste Fähre. Ellis Island ließ ich wieder aus, denn ich hatte noch große Pläne, die ich zeitmäßig nicht einschätzen konnte.

Nachdem wir am Battery Park angelegt hatten, ging ich zum Bowling Green, beobachtete beim Charging Bull wieder einige Zeit diese sonderbare Spezies “Tourist” und verzichtete hier auf ein Foto. Alleine war da rein gar nichts zu machen. In Höhe der Trinity Church bog ich nach rechts ab und ging zur Federal Hall. Hier stellte ich die RAW-Versionen einiger bereits gefertigter JPEG-Fotos her. Oder anders ausgedrückt: Ich machte die Fotos, die ich eigentlich alle schon hatte, aber eben nicht in RAW. Aber da ich die Wall Street und die angrenzenden Straßen eh faszinierend finde, ging ich noch ein wenig durch die kleinen Sträßchen und schaute mir einige Häuser an. Dabei kam ich auch an der Straßenecke Beaver Street / Pearl Street vorbei. Hier steht das Gebäude, welches im Film “John Wick” das Hotel darstellte; leider aufgrund Bauarbeiten eingerüstet, also kein wirkliches Foto wert.

Ich ging durch die Wall Street zurück zum Broadway und hatte das 1WTC auf dem Plan. Als ich dort ankam, stellte ich erstaunlicherweise fest, daß vor mir nur eine sehr kleine Schlange stand. Nach kurzer Zeit hatte ich mein Ticket und war auf dem Weg zur Aussichtsetage “One World Observatory” im 541 m hohen neuen Wahrzeichen der Stadt. Alles ein wenig steril und technisch. Sicherheitscheck verlief erwartet ohne Probleme und schon stand ich im Aufzug. Die Fahrt nach oben war aufgrund der gezeigten Animationen im Aufzug sehr kurzweilig. Oben angekommen wurden wir in einen länglichen Raum geführt, wo wir uns einen kurzen Film anschauen sollten. Na ja, war ganz nett gemacht, aber wirklich interessant war er nicht. Als dann jedoch mit dem Ende des Films die Leinwand nach oben gefahren wurde… Knaller!!!

Die Türen öffneten sich und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe man sich frei bewegen konnte. Hier mußte man noch eine Rolltreppe überwinden, da noch eine Schräge und ich hatte das Gefühl, daß ich wahrscheinlich in Kürze wieder auf dem Weg nach unten sein würde. Aber auf einmal war auch die letzte Hürde genommen und man konnte sich tatsächlich vollkommen frei bewegen. Jetzt hat die Architektur des Gebäudes es von außen zwar gut mit den Fotografen dieser Welt gemeint, von innen aber leider überhaupt nicht. Aufgrund der schräg stehenden Fenster kann man eigentlich trotz Polfilter keine vernünftigen Fotos machen. Man muß das Objektiv schon auf die Scheibe auflegen, hat dann aber keinen Blick geradeaus über Manhattan. Aber das ließ sich ja jetzt nicht mehr ändern.

Oben befindet sich (natürlich) ein Souvenir-Shop. Und als ich den Ausblick in alle Richtungen genossen hatte, schaute ich mir kurz vor dem Ausgang auch noch den Shop an. Gesalzene Preise – also wirklich gesalzen! Und schwupps, ging es in den Aufzug, wo es wieder eine schöne Animation gab, die die Fahrt wieder sehr unterhaltsam werden ließ. Beim Verlassen des 1WTC wird man das neue WTC Transportation Hub geführt. Sehr futuristische Architekter. Hat was! Ich ging an St. Paul’s Chapel vorbei und auf dem Broadway nach Norden, wo ich bei der nächsten Subway-Station wieder im Untergrund verschwand und die Fahrt zum Hotel antrat.

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