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Die gleiche Planung, die ich einen Tag zuvor hatte, hatte ich auch am Mittwoch: gar keine. Also nahm ich meinen Reiseführer von Lonely Planet mit zum Frühstück, um ein wenig darin rumzublättern. Ich hatte mir im Vorfeld bereits über Smart Destinations Tickets für das American Museum of Natural History, das Empire State Building, Top of the Rock und Liberty Island gekauft. Im American Museum of Natural History war ich bislang noch nicht und der heutige Tag sollte laut Wetterbericht eher bedeckt sein. Bedeckt ist zwar prinzipiell hervorragend für gute Fotos, aber eben auch für einen Museumsbesuch. Und damit sich am Ende der Reise nicht alles knubbelt, mußte heute irgendwie was von den Tickets weg. Irgendwann muß man ja mal anfangen. Und dabei stand das American Museum of Natural History eigentlich ganz oben, weil ich’s noch nicht gesehen hatte. Also schmökerte ich, während ich einen Bagel mit Frischkäse aß, in den Texten des Reiseführers zur Upper West Side. Mir fiel der Name “Zabar’s” ins Auge. Sollte man sich vielleicht mal anschauen. Also war der Startpunkt der heutigen Tour klar.

Nachdem ich mir den Supermarkt angesehen hatte (natürlich auch innen) und mich vom besonderen Charme überzeugt hatte, wanderte ich Richtung Central Park, also Richtung American Museum of Natural History. Nachdem ich mein Ticket und einen Floorplan hatte, ging es los. Wer schon mal in diesem Museum war, wird nachvollziehen können, daß die Orientierung trotz des Floorplans nicht ganz so einfach fällt. Im ersten Raum stand ich vor ausgestopften Tieren, die ich erst einmal auf mich wirken ließ. Ich war begeistert von den ganzen Vitrinen, wobei der Begriff den teilweise schaufenstergroßen Scheiben nicht ansatzweise gerecht wird. In jedem dieser Schaufenster sind ausgestopfte Tiere zu sehen, die in ihren gewohnten Lebensraum dargestellt werden. Ich hätte vor jeder Scheibe minutenlang stehenbleiben können, hatte aber im Hinterkopf, daß man für einen Besuch in diesem Museum mindestens einen halben Tag einplanen sollte, so daß ich das aus Zeitgründen unterließ. Schwer beeindruckt ging ich von Fenster zu Fenster. Meine Kompaktkamera glühte förmlich. Aufgrund der Dunkelheit war es mir nicht möglich, mit meiner DSLR zu fotografieren, denn dann hätte man ein besonders lichtstarkes Objektiv benötigt oder ein Stativ. Also mußte hier der Automatikmodus meiner Kompakten herhalten.

Nachdem ich so halbwegs alles gesehen hatte, was mich interessierte, begab ich mich in die Eingangshalle und ließ mich dort kurz nieder, um zu überlegen, ob ich das Museum verlassen oder noch einmal einzelne Bereiche anschauen sollte. Ich entschied mich für’s Verlassen und ging in den Central Park. Dort wollte ich eigentlich ein Foto von Belvedere Castle mit dem Turtle Pond machen, was aber aufgrund der zu tief stehenden Sonne nicht möglich war. Falsches Timing! Als ich auf dem Weg dahin am Delacorte Theater vorbeiging, sprach mich jemand an, der irgendwas verkaufen wollte oder was auch immer. Ich hielt nicht an, sondern sagte nur “I’m a german tourist and not interested.” Daraufhin schrie er mir hinterher, daß es niemanden interessiere, woher ich komme (“…where the fuck you come from.”). Ich hatte irgendwie im Gefühl, daß dieser Mensch nichts Gutes im Schilde führte, drehte mich um und erkannte, daß er nun hinter mir ging. Ich blickte mich um und sah, daß ich eigentlich ganz alleine auf diesem Weg unterwegs war. Links von mir lag Great Lawn und auf den erkennbaren Wegen war niemand zu sehen. Ich überlegte mir schon, wie und wohin ich schlagen würde, als vor mir ein Mann auftauchte, der mir entgegenkam. Ich stellte meine Überlegungen bezüglich des ersten Schlages ein, drehte mich um und mein “Verfolger” war verschwunden.

Mein nächster Programmpunkt sollte Wollman Rink sein. Also eigentlich der Felsen nordöstlich davon. Hier war wieder ein Fotostopp angesagt. Die nächsten Punkte auf meiner Liste: Gapstow Bridge, The Pond, Grand Army Plaza, Apple Store und dann 5th Avenue. Bei der Atlas-Statue ging’s (nach einigen Fotos) ins Rockefeller Center. Kurzer Blick auf die Uhr: Kurz vor der blauen Stunde. Und wo ich gerade hier war, konnte gleich das nächste Ticket eingelöst werden: Top of the Rock. Oben war es kalt ohne Handschuhe, aber wer schöne Fotos haben will, muß leiden.

Nachdem ich wieder unten war, ging ich zum Times Square, wo auch noch einige Fotos in der Dunkelheit entstanden, bevor es über die 42nd Street Richtung Osten ging. Grand Central war angesagt, denn es war Halbfinaltag beim dort stattfindenden Squashturnier, das ich mir im Januar eigentlich immer angucke, wenn ich in der Stadt bin. Leider war es noch zu früh für die Männer, also mußte es ein Frauenhalbfinale sein. War auch ganz interessant, vor allem weil mit Amanda Sobhy die Lokalmatadorin mitspielte. Frenetischer Jubel war also bei jedem Punkt garantiert. Sie zog auch ins Finale am nächsten Tag ein. Da mittlerweile meine Beine und der Rücken ein wenig schmerzten, entschied ich mich gegen das Warten auf die Männer, sondern fuhr ins Hotel, wo ich den Abend auf dem Bett liegend ausklingen ließ.

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