Kategorien

Uhrzeit

Der letzte Tag fing verschlafen an. Nachdem ich den Frühstücksraum aufgesucht hatte, der hoffnungslos überfüllt war, nahm ich mein Essen mit auf’s Zimmer und fragte auf dem Weg gleichzeitig an der Rezeption, wann ich spätestens ausgecheckt haben müßte. Die Antwort verblüffte mich nicht wirklich, denn sie war wie jedes Jahr: Um 12.00 Uhr mußte ich das Zimmer verlassen haben. Das brachte mir ein wenig Zeit, um in Ruhe auf dem Bett zu frühstücken und dabei noch zwei Folgen “Two and a half men” zu schauen. Im Anschluß packte ich meinen Koffer, hüpfte noch schnell unter die Dusche und schon war es ca. 11.30 Uhr. Den Zimmermädchen legte ich ein von mir ausrangiertes (aber auf dieser Reise nicht getragenes) T-Shirt von Abercrombie & Fitch auf’s Bett und drei Dollar dazu. Um es komplett in den Müll wandern zu lassen, war es dann doch zu schade.

Die nächsten vier Stunden verbrachte ich in der Lobby des Hotels, surfte ein wenig im Internet und nahm eine erste Sichtung meiner über 1000 Fotos vor. Und ehe ich mich versah, war es schon 16.00 Uhr und ich machte mich auf den Weg zum Flughafen. Mittlerweile hatte leichter Schneeregen eingesetzt und es war ein wenig kälter geworden. Ich hatte ja immerhin lediglich eine Jogginghose und meine Unterziehjacke an, war also deutlich dünner angezogen, als an den letzten Tagen. Aber für die drei Blocks bis zur Subway sollte es reichen und danach war ich ja nicht mehr wirklich an der frischen Luft, wenn man einmal von dem kurzen Weg auf dem Weg zum AirTrain absieht.

Als ich nach dem Rückflug wieder in Deutschland gelandet war, nutzte ich die automatische Paßkontrolle. Wenn man die passiert hat, sitzt zwar immer noch jemand von der Bundespolizei da, der stichprobenartig Kontrollen durchführt, aber da hier niemand anstand… Als sich die Schranke öffnete und ich wieder eingereist war, hörte ich den grimmig dreinblickenden Bundespolizisten sagen “Kommen Sie mal hierhin!” Aaah, wunderbar, ich bin wieder in Deutschland! Die Freundlichkeit ist verschwunden! Ich hatte erst kurz überlegt “Ich hab keinen. Brauch ich auch nicht. Mutti läßt doch jeden ohne Paß einreisen.” zu antworten, als er nach meinem Reisepaß verlangte, aber den Gedanken verwarf ich relativ schnell. War ja auch blöd, denn den Paß hab ich ja gerade erst benutzen müssen. Er weiß es und ich weiß es.

Nach der Kontrolle ging es zur Deutschen Bahn. Anschließend war ich zwar 67 Euro ärmer, aber ich hatte eine Fahrkarte von Frankfurt nach Köln. Der nächste ICE sollte planmäßig in sieben Minuten fahren. Das war zu schaffen, aber verlangte Anstrengung auf den weiten Gängen des Frankfurter Flughafens. Ich legte also einen Zahn zu und erreichte eine Minute vor planmäßiger Abfahrt den Bahnsteig. Doch, oh Wunder! Nirgendwo war ein Zug zu sehen. Dafür hörte ich schon die Durchsagen und schnappte nur Wortfetzen auf (“…ca. 90 Minuten später…”, “…ca. 60 Minuten später…”, “…ca. 15 Minuten später…” und “…ca. 10 Minuten später…”). Jawoll!!! Auf die Deutsche Bahn ist doch Verlaß! Und ich Idiot hab mich beeilt und schitzte jetzt. Na gut, ich hatte ja nur ne dünne Jacke an und es waren -4 Grad auf dem Bahnsteig. Was für eine Scheiße! Konnte man aber nicht ändern und nachdem der Zug dann nach ca. 20 Minuten einfuhr, folgte der nächste Schreck. Der ICE war völlig überfüllt. Es standen schon Leute im Gang. Beim Einsteigen war es dann auch vorbei mit der gewohnten Ordnung. Hier wurde sich wieder von allen Seiten in den Zug gedrängelt. Ekelhaft! Und nun ging’s im Zug munter weiter. Ich stellte meinen Koffer am Rand ab, checkte kurz das Umfeld und stellte fest, daß ein Sitzplatz auf dem Boden nicht zu bekommen war. Sehr schön! Also 65 Minuten Stehplatz. Und der kostete mich ca. einen Euro pro Minute. War aber auch nicht zu ändern.

Daß ich wirklich nicht träumte und wahrhaftig in Deutschland angekommen war, machte mir dann ein Zugbegleiter der Deutschen Bahn deutlich, der mehrfach durch den Gang ging und irgendwann in patzigem Ton sagte “Sie stehen hier mitten im Weg. Da könnte man auch mal ein bißchen intelligenter nachdenken.” Ich rief ihm nur “Sehr freundlich!” hinterher, woraufhin er aber nicht mehr reagierte. Ich überlegte kurz, mußte aber feststellen, daß ich ja Geld für die Beförderung bezahlt hatte und damit Kunde der Deutschen Bahn war, deren Angestellter u. a. mich dumm angemacht hat. War hier irgendwas falsch?

zum vorherigen Tag